Presse

Musik wie im Kino

30. Adventskonzert des Posaunenchores

Von Traute Scheuermann 

Harburg .29 Jahre lang hat alles pünktlich geklappt - und nun das: Alle Bläserinnen und Bläser saßen an ihrem Platz in der kühlen Dreifaltigkeits-Kirche, nur der Dirigent ließ auf sich warten. Aber, keine Bange, es war nur ein "computertechnisches Problem", das Stefan Henatsch zwang, das Publikum vor Beginn der 30. Abendmusik vor dem 1. Advent um ein wenig Geduld zu bitten.

Propst Jürgen F. Bollmann griff die "Verspätung" bei seiner Begrüßungsrede sogleich auf, aber die zehnminütige Verzögerung war kaum von Belang. Das Problem war beseitigt, und alsbald starteten die Musiker des Harburger Posaunenchores - in ihrer Mitte der ehemalige Leiter des Posaunenchores Heinz Korupp - mit einer festlichen "Fanfare for Brass" von Dieter Wendel.

Abgesehen von drei Bläsersätzen von Michael Praetorius, geboren im 16.Jahrhundert, und einer Bearbeitung der Kantate "Verleih uns Frieden" von Felix Mendelssohn Bartholdy wählte Henatsch zeitgenössische Kompositionen. Dabei fielen die beiden Stücke vom jüngsten Komponisten, Traugott Fünfgeld, besonders ins Ohr. Das Allegro aus der "Symphonischen Suite" für Blechbläser, Pauken und Orgel und die "Brassovation" hätten gut auch zu einem Hollywood-Film gepasst. Mit Swing und eingängigen Harmonien, erstklassig vorgetragen und von Jörg Künzer dezent am Schlagwerk unterstützt, begeisterten sie das Publikum. Dafür gab es verdienten Zwischenapplaus.

Wie immer sind bei dieser Einstimmung auf die Adventszeit auch die Zuhörer gefragt. Das Kirchenlied "Nun singet und seid froh" - nach der Einleitung zu "In dulci jubilo" passend platziert, wurde in der gut besuchten Kirche kräftig mitgesungen. Beim zweiten, unbekannteren Choral "Gottes Sohn ist kommen" fiel der Gemeindegesang wesentlich dünner aus. Zwischen den Strophen brillierte der Posaunenchor mit variationsreichen Bläsersätzen. Rainer Schmitz an der Orgel war für die älteren Werke zuständig: zwei Solo-Stücke aus dem 18. Jahrhundert registrierte er farbig und spielte insbesondere die "Drei Pastorell-Arien" von Frater Marianus Königsperger mit zierlicher Verspieltheit, wechselnd zwischen Haupt - und Echowerk.

Viel Beifall und ein strahlendes "Tochter Zion" als Zugabe - die Harburger "Klangkirche" machte ihrem Namen alle Ehre. Die Adventszeit hat jetzt wirklich begonnen.

 

Quelle: Harburger Anzeigen und Nachrichten 30.11.2009

Auf Mendelssohns Spuren

Von Traute Scheuermann 

Harburg . Die Fußstapfen, in die er treten muss, sind ganz schön groß, und noch kann er die Früchte ernten, die ein anderer für ihn bereitet hat. Stefan Henatsch, der neue Leiter des Posaunenchors Harburg, stellte sich am Sonntag in einem ersten Konzert vor. Sein Vorgänger Heinz Korupp "versteckte" sich bescheiden in der letzten Zuhörerreihe in der gut besuchten Harburger St.-Johannis-Kirche.
Die Stühle in der vorderen Hälfte der Kirche waren so gestellt, dass das Publikum zur Empore blicken konnte. Der Posaunenchor hatte sich dort eingerichtet, damit für Stefan Henatsch auch der direkte Blick-Kontakt zu Rainer Schmitz an der Orgel gewährleistet war.
Das Gedenkjahr zum 200. Geburtstag von Felix Mendelssohn Bartholdy bot genügend reizvolle Programmpunkte, die Henatsch geschickt mit Kompositionen von Johann Sebastian Bach kombinierte. War es doch Mendelssohn, der den seinerzeit vergessenen Bach wiederentdeckte und dem musikalisch interessierten Publikum zugänglich machte.
Mit einem "Geburtstagsständchen für Felix" des zeitgenössischen Komponisten Johannes Matthias Michel begann das Konzert, nachdem Propst Jürgen F. Bollmann in seiner Begrüßung nicht nur einen kurzen biographischen Abriss über Mendelssohn Bartholdy gegeben hatte, sondern auch darauf hinwies, dass ja außer dem gefeierten Geburtstag auch Passionszeit sei.
Da passte die Choralpartita über "Aus tiefer Not schrei ich zu Dir" genau. Im Wechsel mit Gemeindegesang spielten die Bläser jeweils einen Satz von Mendelssohn und einen von Bach. Auch den Choral "Wachet auf ruft uns die Stimme" haben beide Komponisten vertont. Er bildet das Herzstück in Mendelssohns Oratorium "Paulus" und der Bachkantate BWV 140.
Außer für Bläser erstklassig bearbeiteten Teilen aus dem "Elias" kamen auch noch die Introduktion und der Choral "Ein feste Burg ist unser Gott" aus der "Reformationssinfonie" von Mendelssohn zu Gehör. Hier unterstützten Rainer Schmitz an der Orgel und Michael Biel am Schlagwerk den Bläsersatz.
Der Harburger Posaunenchor gehört zu den besten seiner Gattung im Hamburger Raum. Auch in diesem Konzert bewiesen die Bläserinnen und Bläser wieder ihre hohe Klasse. Der strahlende Klang ohne Schärfe, das hinreißende Piano und die ausgewogenen Steigerungen suchen schon ihresgleichen. Stefan Henatsch wird sich freuen können, mit einem solch brillanten Ensemble arbeiten zu können.

 

Quelle: Harburger Anzeigen und Nachrichten 10. März 2009

Abendmusik mit neuem Chorleiter

Stefan Henatschs souveräner Start

Harburg (jbh). Große Erwartungen beim Konzert 1 nach Heinz Korupp  - und Stefan Henatsch hat sich als neuer Leiter des Posaunenchores Harburg souverän bewährt. Es war bereits die 29. Abendmusik vor dem 1. Advent, und das neugierige Publikum strömte wie gewohnt zur „Festlichen Musik für Blechbläser, Schlagwerk und Orgel“ in die Dreifaltigkeitskirche an der Neuen Straße, die als „Klangkirche Hamburg“ längst über die Grenzen Harburgs hinaus bekannt geworden ist.

Wie schon zu Heinz Korupps Zeiten lockte eine bunte, abwechselungsreiche Mischung aus Choralpartitas, Orgelstücken und Gemeindegesang die Musikinteressierten an. Nach der prunkvollen „Georgsfanfare“ von Barthelmes und den besinnlichen Begrüßungsworten von Propst Jürgen F. Bollmann überzeugte der Posaunenchor in der Choralpartita „Wie schön leuchtet der Morgenstern“, kombiniert aus Stücken von Müller-Zürich, Schein, Johann Christian Bach und Gunsenheimer, mit sauberer Technik und viel Einfühlungsvermögen. Lediglich im Bach – Choral „Herrscher des Himmels“ – aufgeführt wurden gleich sechs Choräle am Stück- geriet der Posaunenchor leicht ins Schwimmen. Ansonsten hatte Stefan Henatsch „seine“ Musiker mit klaren Bewegungen sicher im Griff.

Nach zwei von Rainer Schmitz solide gespielten Orgelwerken von Boellmann und Buxtehude entwickelte sich die „Weihnachtslieder-Suite II“ für zwei Posaunenchöre (einer auf der Empore), Schlagwerk (Jörg Künzer), Orgel und Gemeinde zum Höhepunkt des Abends. Hier sang das Publikum fünf Lieder begeistert mit. Ein gelungener Einstand!

 

Quelle: Harburger Anzeigen und Nachrichten 01.Dezember 2008

Heinz Korupp

Abschied nach 45 Jahren als Chorleiter

In einem Festgottesdienst in der St. Johanniskirche in Harburg ist Heinz Korupp nach 45-jähriger Tätigkeit als Chorleiter von Propst Jürgen F. Bollmann verabschiedet worden. 1936 in Altona geboren, trat Korupp 1955 als Posaunist in den Posaunenchor Harburg ein (Gründungsjahr des Chores: 1888). Im „Hauptberuf“ war er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1998 als Amtsrat bei der Deutschen Bahn beschäftigt. Von 1970 bis 1995 wurde er von den Vertretern der Mitgliedschöre zum Kreis-Chorleiter gewählt für die „Unterelbische Kreisverbindung der Posaunenchöre der Kirchenkreise Harburg (später Nordelbische Landeskirche) und Hittfeld (Hannoversche Landeskirche) von 1897“ – ein Ehrenamt, das der 25 Jahre lang ausübte.

Heinz Korupp hat mehrere Ehrungen und Auszeichnungen entgegennehmen dürfen, so 1998 die Bugenhagen-Medaille in der Hauptkirche St. Michaelis, verliehen durch die Bischöfin Maria Jepsen. 2006 bekam er von Ortsamtsleiter H. Meinberg im Stellwerk Harburg als erster Preisträger überhaupt den Harburger Musikpreis überreicht für seine grundlegenden Verdienste um das Harburger Musikleben.

Korupp hat sich als Chorleiter über die Grenzen Harburgs hinaus einen Namen gemacht und immer wieder Komponisten zu großen Werken für seinen Posaunenchor angeregt. So entstand auch „Nun bitten wir den heiligen Geist“ von Magdalene Schauss-Flake zum 100. Geburtstag des Posaunenchores Harburg, das in diesem Jahr zum 120. Geburtstag ebenfalls auf dem Programm stand.

Am Vorabend des Abschiedsgottesdienstes dirigierte er sein letztes Konzert, eine Uraufführung der „Sinfonie der Engel“ von Rainer Schmitz.

 

Quelle: Posaunenchor, Magazin für Bläserinnen und Bläser 04/2008 von Hans Joachim Krause

Tradition heißt Weiterentwicklung

Posaunenchor Harburg eröffnet die Adventskonzerte

Harburg  (‚ebe). Tradition bedeutet nicht Stillstand, sondern Weiterentwicklung.  Zumindest, wenn es sich um die Konzerte vor dem 1. Advent des Posaunenchores Harburg handelt. Bereits zum 26. Mal fand dieses Konzert in der vollbesetzten Harburger Dreifaltigkeitskirche statt, und wieder wurde das Publikum mit einem sehr ungewöhnlichem Programm überrascht.

So wirkte die „Bruckner Etüde“ von Enrique Crespo für das tiefe Blech ebenso imponierend wie verblüffend.  Das „Te Deum“ von Benjamin Britten nötigte höchsten Respekt ab. Selbst bei den von Dirigent Heinz Korupp selbst zusammengestellten Choralsätzen (bei denen die Zuhörer traditionell mitsingen dürfen) kam es zu höchst geheimnisvollen Ritornellen, bei denen die Bläser auch schon mal mit Dämpfern spielen müssen.

Die (gekürzte) Bearbeitung des Schlußsatzes von Mahlers 3. Sinfonie durch Friedel Böhr für Bläser, Orgel und Pauken ist sicher äußerst fragwürdig, aber gespielt hat sie der Harburger Posaunenchor mit einer be­wundernswerten Präzision, die alles andere hintan stellte. Heinz Korupp, der langjährige Dirigent des Harburger Posaunenchors, agierte mit äußerst präziser Zeichengebung und hatte sein Orchester, das zu den besten seiner Art in ganz Norddeutschland gehört, jederzeit voll und sicher im Griff.

An der Orgel saß Rainer Schmitz, der mit der Sonate C-Dur von Galuppi in die äußersten Höhen seines Instruments vordrang und im Finale die Hörer zum Mitwippen brachte.

Dieses Konzert war der besinnliche Ausklang des 1. Adventssonnabends. Schon heute freuen wir uns auf das Konzert im nächsten Jahr.

 

Quelle: Harburger Anzeigen und Nachrichten 28. November 2005

Uraufführung im Festkonzert

25. Abendmusik des Posaunenchores

Harburg (jbh).  Der Termin ist seit 25 Jahren für jeden Harbur­ger Musikliebhaber ein Muß. Jeweils am Tag vor dem 1. Ad­vent tritt der Posaunenchor Harburg in der Dreifaltigkeits­kirche an der Neuen Straße auf.  Auch bei der Jubiläumsveran­staltung in der brechend vollen Kirche lautete das Motto:  „Fest­liche Musik für Blechbläser, Schlagwerk und Orgel“.  Und festlich gestimmt waren alle Zuhörer auch Propst Jürgen F. Bollmann, der bewegende Worte für diese 25.  Voradvents­Abendmusik fand.

Heinz Korupp hatte mit „seinen“ Bläsern wieder ein besonderes Programm zusammengestellt - wie immer eine kluge Mischung aus Renaissance, Barock, Romantik und gemäßigter Moderne. Vier kurze Bearbeitungen aus Felix Mendelssohn Bartholdys „Lobgesang“-­Sinfonie und „Fünf Miniaturen“ von Hans-Günther Allers steckten zu Beginn den stilistischen Rahmen des diesmal sehr langen Konzert ab,- Herzstück der Veranstaltung waren auch diesmal zwei Choralpartiten, in denen das Publikum mitsingen durfte: „Tochter Zion, freue Dich“ und “ln dulci jubilo - Nun singet und seid froh“.  Geschickt verzahnte Korupp hier komplexe, herbe Choralvorspiele - unter anderem von Magdalena Schauss-Flake -  mit den homophonen Strophen der Gemeinde.

Höhepunkt des Nachmittags war die Uraufführung der „Sonata da chiesa“  (Kirchensonate) „Es kommt ein Schiff geladen“ von Rainer Schmitz, hauptberuflich Organist der Dreifaltigkeitskirche.  Die drei Sätze dieses dem Posaunenchor Harburg gewidmeten Stücks pendelten zwischen harten Tonreibungen („ Fantasia“), Anklängen an die Popularmusik („Rondo“) und barockem Ernst („Ciaccona“).  Der Posaunenchor wuchs diesmal über sich hinaus - so perfekt hatte man ihn lange nicht gehört.

 

Quelle: Harburger Anzeigen und Nachrichten 30. November 2004

Laienmusiker spielen wie die Profis

Zur 25. Abendmusik in der Dreifaltigkeitskirche legt der Harburger Posaunenchor eine CD vor.

von Ernst Brennecke

Harburg.  Das schönste Jubi­läumsgeschenk bereitet sich der Harburger Posaunenchor selbst. Vor 25 Jahren, am Vorabend des 1. Advent 1979, lud er zum ersten Mal zu einer Abendmusik in die Dreifaltigkeitskirche ein. Am Sonnabend, 27. November, ist es um 17 Uhr wieder soweit.  Die Musiker, nach wie vor unter der bewährten Leitung von Heinz Korupp, werden eine bunte Mixtur aus festlichen und weihnachtlichen Klängen präsentieren.

Eines aber ist in diesem Jahr anders als bisher. Wer will, kann  sich nämlich das Konzert weitgehend mit nach Hause nehmen. Die Musiker haben fast das ganze Programm des Konzertes bereits auf CD eingespielt.  Diese CD wird nach Konzert erstmals verkauft und ist anschließend im Kirchenkreisbüro, im Büro der Dreifaltigkeitsgemeinde, bei den Chormitgliedern  und in der Buch­handlung am Sand zu bekommen. Sie kostet 15 Euro.

Wer in die CD hineinhört, ist zunächst einmal von der Sauberkeit des Spiels und dem sehr transparenten Klang überrascht. Sofort vergißt man, daß es sich hier nicht um Profis, sondern um Laienmusiker handelt. Die Bearbeitung der „Lobgesang“-Sinfonie von Mendels­sohn zum Beispiel zeichnet sich vor allem durch machtvolle und edle Klänge aus. Sehr raffiniert und außerordentlich differenziert erklingt die Sonata Nr. 13 von Gabrieli für zwei Bläserchöre und Pauken. Dabei sind die Stimmen deutlich voneinander abgesetzt.  Der Ausschnitt aus Händels „Salomon“ swingt derart, daß man sofort mit dem Fuß mitwippt.

Natürlich hat Heinz Korupp auch wieder zwei Choralpartiten selbst zusammengestellt.  Er mixt dabei Klänge aus mehreren Jahrhunderten, die durch jeweils eine einprägsam Cho­ralmelodie zusammengehalten werden, Bei „Tochter Zion, freue dich“ und „In dulci jubiIo“ gehen die Bläsersätze von Michael Prätorius (1571-1621, besonders effektvoll seine „Motette und Fanfare“) bis Magdalene Schauß-Flake (geboren 1921) nahtlos ineinander über.

Als Harburger Bonbon befindet sich die Uraufführung eines Orgelwerkes des Dreifaltig­keitsorganisten Rainer Schmitz auf dem Album.  Eigens für den Harburger Posaunenchor hat er die „Sonata da Chiesa“ über“ Es kommt ein Schiff geladen“ geschrieben. Im Konzert wird sie ganz aufgeführt, auf der CD  ist immerhin die fast siebenminütige Passacaglia zu hören: Ein aufwühlendes Stück mit einem verstörenden Höhepunkt und einem halbwegs versöhnlichen Ende.  Schmitz stellt außerdem bei einer Pastorale von Donienico Zipoli (1688-1736) schöne Einzelregister der Orgel vor.

Der Posaunenchor präsen­tiert sich auf dieser CD so aus­gewogen und vielseitig wie noch nie auf einem Tonträger.  Alle Gruppen stehen einmal im Vordergrund und zeigen, was sie können.

Die Aufnahmeleitung hatte Friedrich Neumann. Gespielt wurde aber nicht, wie man dem CD-Beiheft entnehmen könn­te, in dessen Berliner Studio, sondern in der Dreifaltigkeitskirche. Das allerdings ist der einzige Nachteil der CD.  Denn diese Kirche hat bekanntermaßen durch die tausende von angebohrten Backsteine eine ganz trockene Akustik ohne Nachhall.  Die Friedrich-Ebert-­Halle wäre da geeigneter gewesen.

 

Quelle: Harburger Anzeigen und Nachrichten 20. November 2004